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Sinn und Aufgabe der Kunsttherapie in der Palliativmedizin

Sinn und Aufgabe der Kunsttherapie in der Palliativmedizin

Als Kunsttherapeutin der Palliativstation der St. Barbara Klinik in Hamm werde ich oft gefragt, was genau meine Aufgabe dort ist und meine Antwort ist eigentlich immer unterschiedlich.

 

Ich begleite und unterstütze den chronisch kranken und sterbenden Menschen und seine Angehörigen auf dem eigenen Lebensweg auf der Suche nach dem, was da ist, was gesehen werden möchte, was gefühlt, erzählt und ausgedrückt werden will. Dafür stehen mir eine Reihe einfühlsamer Werkzeuge der Kunsttherapie zur Verfügung, welche ich individuell und je nach Lebensgeschichte nutze.

 

Die Kunsttherapie ist eine wertvolle Ergänzung in der Palliativmedizin, die den chronisch kranken und sterbenden Menschen in seiner Einzigartigkeit respektiert, einen Blick auf seine individuelle Lebensgeschichte wirft und dabei hilft die komplexen emotionalen, psychischen und spirituellen Bedürfnisse und Wünsche am Ende des Lebens mit mehr Selbstbestimmung, Würde und innerer Ruhe zu unterstützen und zu begleiten.

 

Als Kunsttherapeutin auf der Palliativstation empfinde ich meine Arbeit als sehr herausfordernd und wertvoll zugleich, denn die Kunsttherapie unterstützt den Menschen kraftvolle Ressourcen, innere Schätze, in ihm selbst zu finden und zu stärken. Die eigenen Erlebnisse, Erfahrungen und die persönlichen Vorlieben und Lebensgeschichten stehen dabei im Mittelpunkt.

 

Die zentrale Aufgabe der Kunsttherapie besteht darin, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem der Mensch seine Gefühle, den Schmerz und die Eindrücke verarbeiten kann – es entsteht ein Raum für Ausdruck, Selbstreflexion und Heilung.

 

Gerade in der Palliativmedizin unterstützt die Kunsttherapie den Menschen dabei die tiefsitzenden und oft schwer greifbaren Gefühle wie Ängste, Trauer, Scham und Schuld aber auch Hoffnungen und letzte Wünsche sichtbar zu machen und in einem kreativen Prozess zu verarbeiten. Durch diese Art des Ausdrucks kann der Mensch eine neue Perspektive auf seine Situation gewinnen, Akzeptanz und inneren Frieden finden.

 

Die Therapie hilft emotionale Belastungen zu lindern und das hervorzuholen, was Kraft und Trost spenden kann. Sie hilft den Umgang mit der Erkrankung, mit dem Schmerz, zu erleichtern und macht die Situation somit annehmbarer. Der Mensch kann mit Hilfe der Therapeutin eigene Ressourcen und Kraftquellen entdecken, was oft ein Gefühl von Kontrolle und Selbstbestimmung zurückgibt und zudem große Erleichterung und Ruhe fördert. Besonders bei Menschen, die Schwierigkeiten haben, Ihre Gefühle in Worte zu fassen kann die Kunsttherapie eine nonverbale Möglichkeit sein, sich auf eine eigene Art und Weise mitzuteilen und Themen zu verarbeiten.

 

Die Therapie fördert die Annahme der Umstände und unterstützt somit den Verarbeitungsprozess und die Selbstreflexion. Oft gewinnt der Mensch durch die Gespräche und den künstlerischen Einblick in seine innere Welt neue Erfahrungen, Momente der Ruhe und Entspannung und Ängste und Sorgen werden gelindert. Die Situation wird annehmbarer und die Lebensqualität des sterbenden und chronisch kranken Menschen kann somit verbessert werden.

 

Gerade in der Endphase des Lebens kann die Arbeit dazu beitragen, das Selbstbild zu stärken und die eigene Identität trotz der Krankheit zu bewahren. Das kreative Tun wird zu einem Akt der Selbstbestimmung und des Ausdrucks des eigenen Wesens. Es geht jedoch in der Kunsttherapie nie um künstlerische Perfektion, sondern um den Ausdruck des Selbst, um das Finden von Bedeutung und um das Erleben von Verbundenheit mit sich selbst. Das Malen kann den Abschiedsprozess unterstützen, indem Raum für Erinnerungen, Wertschätzung und das Loslassen geschaffen wird und es bedeutet Trost und Mitgefühl.

 

Für mich persönlich ist es eine liebevolle Begleitung durch einen sehr wichtigen Prozess am Lebensende. Oft sind die Menschen denen ich auf der Palliativstation begegne selbst viel zu schwach zu malen. Es fällt ihnen schwer oder sie zweifeln an sich und ihren Fähigkeiten. Ich höre oft „ich kann nicht malen“ oder „mit Kunst kann ich nichts anfangen“. Sie trauen sich nicht selbst eigenständig kreativ zu werden.

Dann lade ich sie dazu ein, für sie zu malen und wir gehen zusammen in ein vertrauliches Gespräch und einen kreativen Prozess. Das Ergebnis ist jedes Mal für beide Seiten sehr wertvoll und berührend.

 

Die Zeit, die wir gemeinsam verbringen ist wie eine Reise, raus aus dem sterilen Krankenzimmer und rein in ein buntes, farbenfrohes und sattes Leben. Am Ende entsteht ein wunderschönes ausdrucksstarkes Bild oder ein Gespräch voller Bedeutsamkeit - immer verbunden mit einer sehr liebevollen und individuellen Geschichte, die Beachtung und Würdigung verdient.

 

 

Kontakt

Praxis

 

Daniela Schutzeigel-Pingel

Heilpraktikerin (Psychotherapie)

Kunsttherapeutin

Körper- & Entspannungstherapie

Kirchweg 165

59071 Hamm

 

E-Mail: [email protected]

Telefon 02381 / 3050872

Mobil 0175 / 8892222 (gerne auch über WhatsApp)

 

[email protected]